Der DIALOG nach David Bohm und Martin Buber

 

 

 Der DIALOG

in der hier vorstellten Form, wurde im „Dialogue-Project“ des MIT (Massachusetts Institute  of Technology, Boston) unter Mitwirkung von Dr.William Isaacs, Prof. Dr. Peter Senge, Prof. Dr. Freeman Dhority und anderen entwickelt. Er steht in der Tradition von Martin Buber und David Bohm und wird in dem Buch „Die fünfte Disziplin“ von Peter M. Senge ausführlich beschrieben.

 

Ein solcher DIALOG ist

  • ein ganz und gar gelungenes Gespräch
  • ein Gespräch, das alle Teilnehmer bereichert
  • ein Gespräch, das die Horizonte eigener Denkmuster und Wahrnehmungen erweitert
  • ein Gespräch, das Kreativität fördert
  • ein Gespräch, in dem durch den offenen Austausch etwas gemeinsames Neues wächst, das über das hinausgeht, was ein Einzelner leisten kann.

Ein solcher DIALOG ist kein Heilmittel für alle möglichen Situationen.  Er ist eine Gesprächsform, die, richtig eingesetzt, Möglichkeiten erweitert und Wege und Lösungen ganz neuer Qualität vorbereiten hilft.

 

Im DIALOG erweitern wir unseren Blickwinkel und sehen Dinge, die uns bisher verschlossen waren. Dadurch kommen wir gemeinsam zu neuen Sichtweisen und Lösungen. Weil viele Probleme alleine nicht lösbar sind, ist es sinnvoll eine Gesprächskultur zu fördern, die schlummernde Möglichkeiten weckt und kreative Gedanken zuläßt

 

Danah Zohar stellt in Ihrem Buch „Am Rande des Chaos“  die Unterschiede zwischen Debatte und Dialog heraus:

Debatte Dialog
wissen herausfinden
antworten fragen
gewinnen oder verlieren     
teilen
ungleich gleich
Macht Respekt oder Anerkennung
einen Punkt beweisen zuhören
eine Position verteidigen             
neue Möglichkeiten erforschen

 

 

 

 

 

(Zohar, Danar. Am Rande des Chaos. 2000. Debatte versus Dialog)


Vier Haltungen nach William Isaacs 

(aus: http://www.sigridpeuker.de/Dialog_Kurzanleitung.html#Ablauf)

Zuhören heißt, nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst zuzuhören. Welche Gedanken, Gefühle, Assoziationen oder Bewertungen entstehen beim Zuhören? Um das wahrnehmen zu können, muss man dem anderen mit allen Sinnen zuhören.

Respektieren bedeutet, die Meinungen oder Ideen der anderen als genauso legitim anzuerkennen wie die eigenen. Denn sie beruhen auf der je eigenen Lebenserfahrung, die jemand gemacht hat. Das bedeutet aber nicht, dass man damit einverstanden sein muss! Dialog entsteht erst dann, wenn es eigene Standpunkte gibt, die erkundet werden.

Artikulieren/Aussprechen heisst, die eigene Sprache zu finden und die eigene Wahrheit auszusprechen. Das bedeutet auch, von sich zu sprechen und den Mut dazu aufzubringen, das zu sagen, was einem wichtig ist, auch wenn es erstmal ins Unreine gesprochen wird. Dialog ist dann ein sicherer Raum, in dem ausprobiert werden kann, wie sich etwas anhört und beim Aussprechen anfühlt.

In der Schwebe halten bedeutet, die eigene Meinung so vorzutragen, dass die anderen nachvollziehen können, wie sie zustande kam. Es bedeutet auch, so zu sprechen, dass deutlich wird, dass man nicht auf etwas Absolutem beharren wird, sondern nach einer Erweiterung des eigenen Verständnisses und deshalb nach anderen möglichen Positionen sucht.

(Nach: William Isaacs (1999): Dialogue and the Art of Thinking Together. A Pioneering Approach to Communicating in Business and in Life. New York, Random House.)

 


Vier Grundfertigkeiten eines gelungenen Dialogs 

1.   Die Haltung eines Lerners einnehmen 

Neugierig sein!

2.   Den Gegenüber „radikal respektieren“

Die Welt mit den Augen des / der Anderen sehen und anerkennen, dass seine / ihre Meinungen und Ideen genauso legitim sind wie die eigenen.

3.   Offen sein                     

Vertrauen; mit offenen Karten spielen!

4.   Von Herzen sprechen und sich kurz fassen       

Was ist mir wichtig, was berührt mich?

5.   Wirklich Zuhören                    

Sich dem anderen aktiv zuwenden!

6.   Verlangsamen

Nacheinander sprechen und zuhören; Sprechpausen, Muße, Zeit nachzudenken.

7.   Annahmen und Bewertungen suspendieren 

Vorgefaßte Annahmen und Interpretationen wahrnehmen, aussetzen und in der Schwebe halten! Die Brille, durch die wir die Welt anschauen, wahrnehmen lernen und lernen sie abzusetzen.

8.     Produktiv plädieren        

Offen die eigenen Ansichten darlegen und den Gegenüber einladen, die eigenen Standpunkte, Erfahrungen und Perspektiven kennenzulernen! Sich helfen lassen. „Lass die Wurzeln dran“

9.   Eine erkundende Haltung einüben             

Fragen stellen, um den Standpunkt, die Sichtweise des Gegenübers verstehen zu lernen.

10.        Den Beobachter beobachten         

Den Prozess verlangsamen, den gemeinsamen Gedankenraum reflektieren und dadurch Unbewußtes bewusst machen.

(Nach Hartkemeyer, M.& J.F., Dhority, L.Freemann. Miteinander Denken. Das Geheimnis des Dialogs. Stuttgart 1998)

 

Ablauf eines Dialogs

(http://www.sigridpeuker.de/Dialog_Kurzanleitung.html#Ablauf)

Es haben sich unterschiedliche "Regeln" für den Dialog herausgebildet. Hier die Form, die unsere Dialoggruppe entwickelt hat:

Zu Beginn wird die Klangschale geschlagen.

Es folgt eine Check In-Runde: Jede/r trägt kurz etwas bei und gibt den Redestein an die Nachbarin oder den Nachbarn weiter. Das hat den Sinn, dass jede/r einmal etwas sagt.

Wenn alle dran waren, wird der Redestein in die Mitte gelegt und der eigentliche Dialog geht los. Ab jetzt wird der Redestein immer von der Mitte aufgenommen und auch wieder dorthin zurückgelegt. Man kann entweder von vornherein festlegen, wie lange der Dialog dauern soll oder darauf achten, wann der Dialog von sich aus zu Ende ist. Meist spürt man sehr deutlich, wenn ein Thema sich erschöpft hat.

Der Dialog endet mit einer Check Out-Runde: Jede/r trägt wieder kurz etwas bei. Das kann ein kurzes Resümee dessen sein, was sie oder ihn gerade beschäftigt, was ihr oder ihm auffiel, was er oder sie fühlt oder noch zum Thema sagen möchte uvm.

Danach wird die Klangschale geschlagen und der Dialog ist zu Ende.

Gerade bei neuen Dialoggruppen empfiehlt sich danach noch eine kurze freie Gesprächsrunde über den Dialogprozess selbst.

 

 

 

Literatur zum Dialog

David Bohm, Der Dialog. Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen Klett-Cotta, Stuttgart 1998

Martin Buber, Das dialogische Prinzip. ... Gütersloher Verlagshaus Gerlingen. 8. Aufl. 1997

Linda Ellinor, Glenna Gerard, Der Dialog im Unternehmen. Inspiration, Kreativität, Verantwortung, Klett-Cotta, Stuttgart 2000

Danah Zohar, Am Rande des Chaos, Midas Management Verlag AG, St.Gallen/Zürich 2000

Martina und Johannes Hartkemeyer, L.Freeman Dhority, Miteinander Denken. Das Geheimnis des Dialogs, Klett-Cotta, Stuttgart 1998

Internet:                   http://thinkg.net/david_bohm/bohm_dialog_vorschlag.html

http://www.sigridpeuker.de/Dialog_Kurzanleitung.html#Ablauf

Weitere Literatur:         http://www.sigridpeuker.de/Dialog.html#Literaturliste

 

 

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